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Hauptsache trendy? Wer wirklich den Preis zahlt...

exkursion 7bJetzt stehen und sitzen wir, die Klasse 7B des Abtei-Gymnasiums Brauweiler, hier in diesem überfüllten Linienbus und warten darauf, endlich auszusteigen. Wir schreiben einen Tag voller Schnee und Mittwoch, den 30. 1. 2019 und sind auf dem Weg ins moderne Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln, um dort die Ausstellung „Fast Fashion – die Schattenseite der Mode“ zu bewundern. Die Zeit verfliegt und wir stehen schon geschlagene 20 Minuten am Lövenicher Bahnhof. Doch schließlich erreichen wir unser Ziel und betreten das Museum.

Nach kurzem Warten an der Kasse begrüßt uns eine Frau, die uns durch das Museum führen wird. Nun teilen wir uns in fünf kleine Gruppen auf. Jede Gruppe bekommt jetzt ein Thema, das es mit Hilfe der Ausstellung zu bearbeiten gilt. Die fünf Themen lauten Lohn, Chemie, Baumwolle, Jeans und Recycling. Wir wissen noch nicht, was uns in dem Ausstellungsraum erwartet.

Schließlich dürfen wir eintreten und sehen einen Saal mit vielen Bildern, Einzelstücke wie Sitzballen aus zusammengepresster Kleidung, Infotafeln, Leinwände mit Filmen, Kopfhörer, mit denen man Audios anhören kann und vieles mehr. Der Raum besteht aus zwei Bereichen. Ein Bereich zeigt die „Slow Fashion“ und der andere die „Fast Fashion“. Ich überfliege gerade im Vorbeigehen eine Infotafel, da stellt sich mir folgende Frage: Wie kann es sein, dass ein Latte Macchiato genauso viel wie ein nagelneues T-Shirt kostet? Das ist nicht die einzige Frage, die mir nun im Kopf herumschwirrt. Die Bilder zeigen mir noch schockierendere Dinge. Tote Menschen, Kranke, Menschen ohne Arme oder Beine...alles dies nur wegen ihrer Arbeit.

Nach einer halben Stunde gehen wie in einen ruhigen Raum, in dem jede Gruppe über ihr Thema berichtet. Zuerst beginnt die Gruppe Lohn mit ihrem Vortrag. Man spricht über Existenzlohn, ein Lohn, den man zum Überleben braucht, nämlich für Essen 50%, Bildung, Gesundheit und Miete 40%, und für den Notgroschen 10% und man spricht über den Mindestlohn, der vom Staat festgelegt wird. In manchen Ländern liegt der Mindestlohn bei 10%-20% des Existenzlohns. Damit kann sich eine Familie nur eine Woche ernähren und den Rest des Monats muss sie hungern. Übrigens bekommt ein Arbeiter dort einen Euro pro Woche. Für diesen Lohn muss er ca. 80 Stunden arbeiten.

Darauffolgend stellt die Gruppe Chemie ihre Erkenntnisse vor. Sie erzählt über die vielen Chemikalien, die zum Beispiel zur Färbung benutzt werden. Die Arbeiter haben keinen Schutz gegen die Chemikalien und sterben oft nach nur zwei Jahren Arbeit. 

Chemikalien, die nicht mehr zu gebrauchen sind, werden rücksichtslos in einen Fluss gekippt. So färbt sich der Fluss mal grün, dann mal lila und in vielen anderen Farben, die natürlich alle umweltschädlich sind.

Danach berichtet die Jeans-Gruppe. Eine Jeans fliegt insgesamt unvorstellbare 40.000 km mit dem Flugzeug. Das entspricht dem Umfang unserer Erde. Das kommt daher, dass die Jeans zu verschiedenen Punkten fliegt, nämlich zum Design in die Niederlande, zum Baumwollanbau nach Usbekistan, zum Spinnen und Weben nach Indien, zum Färben nach China oder Indonesien, zum Nähen nach Bangladesh, zur Veredelung in die Türkei, zum Verkauf nach Deutschland und schließlich zur Altkleiderentsorgung nach Sambia.

Nach dem Thema Jeans kommt die Baumwolle. Eine Jeans aus der massenhaft angebauten Baumwolle braucht unfassbare 8.000 Liter Wasser. Von dieser Menge könnte sich ein Erwachsener 10 Jahre versorgen.

Die letzte Gruppe präsentiert uns das Thema Recycling. Recycling ist generell eine gute Sache. Man kann aber keine Kleidung zerreißen und danach wieder zusammenkleben. Deshalb wird die billige Ware nach Afrika gebracht, denn dort wird die Kleidung noch einmal verkauft. Das macht aber das Mode-Geschäft der Afrikaner kaputt, da alle nur das Günstigste kaufen.

Ich glaube, dieser Ausflug hat uns allen die Augen geöffnet. Ich wusste nicht, dass durch den Kauf einer Jeans Menschen krank werden, ich die Umwelt verschmutze und viele weitere nicht nachvollziehbare Dinge passieren. Deswegen gebe ich meine Textilien, die mir zu klein sind, an meine Geschwister oder an meine Nachbarn. Ich werde in Zukunft auf Fair-Trade-Siegel achten oder in Secondhandläden einkaufen gehen. Doch alleine schaffe ich dies niemals. Alle müssen mitmachen!   (Mattes)

Jaida erklärt:

Was ist ,,Fast Fashion“?

,,Fast Fashion“ kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt: ,,Schnelle Mode“. Hiermit sind Produkte, also Kleidungsstücke gemeint, die in kürzester Zeit hergestellt wurden. Sie wurden im Zeitraum von unter 14 Tagen hergestellt. Das ist eine sehr kurze Zeit, um ein Kleiderstück herzustellen. Diese zu schnelle Produktion sorgt dafür, dass die hergestellten Produkte nicht nachhaltig sind und nur dafür da sind, dass die Geschäfte durchgehend verschiedene Kleidungsstücke in kürzester Zeit anbieten können, um damit die Kunden dazu zu bewegen, die Läden immer wieder aufzusuchen.

Was ist ,,Slow Fashion“?

,,Slow Fashion“ kommt aus dem Englischen und  bedeutet wörtlich übersetzt: ,,Langsame Mode“. Darunter versteht man erst einmal gar nichts. Das bedeutet aber, dass man sich mit diesem Produkt, also mit diesem Kleidungsstück, viel Mühe gegeben hat und viel Zeit investiert hat. Man spricht hier von Entschleunigung. Die Verarbeitung der Produkte ist hochwertiger und dadurch steigt die Haltbarkeit im Vergleich zu Fast Fashion.

Paula stellt die Ergebnisse ihrer Gruppe vor:

Ich hatte mich für das Thema Chemie entschieden. Zu diesem Thema schauten wir uns in der Ausstellung Videos und Schautafeln an, um die wichtigsten Informationen herauszufinden. Besonders interessant fand ich, wie viele Chemikalien benutzt werden, um ein Billig-T-Shirt herzustellen und welche Chemikalien dazu beitragen, dass verschiedene Kleidungsstücke bestimmte Funktionen haben. So gibt es beispielsweise Stoffe, die unsere Kleidung besonders atmungsaktiv machen. Diese Chemikalien kommen oft in Sportsachen vor.

Schockierend fand ich aber die Lebensverhältnisse der Textilarbeiter, welche noch nicht einmal Schutzkleidung gegen die Chemikalien haben. Außerdem sterben viele Arbeiter frühzeitig, die in der Produktion von Jeans im abgetragenen Design beschäftigt sind. Der Grund ist die Arbeit mit Sandstrahlern. Durch diese Sandstrahler gelangen feine Staubkörnchen in die Lunge und setzen sich dort ab. Wenn man jeden Tag mit diesen Sandstrahlern arbeitet, dann ist klar, dass im Laufe der Zeit immer mehr Sand und Staub in die Lunge gelangt. Nach spätestens zwei Jahren sind die Lungen so verstopft, dass das Atmen unmöglich ist.

Nicht nur die Arbeiter müssen leiden. Auch die Umwelt wird stark beeinflusst. So sind etwa in China, wo es viele Kleidungsfabriken gibt, über zwei Drittel der Flüsse und Seen als verschmutzt klassifiziert. Giftstoffe aus den Fabriken werden oft ungeklärt abgeleitet und tauchen später im Trinkwasser und Essen wieder auf. In Tieren und Menschen sind diese Schadstoffe immer häufiger nachweisbar und schaden der Gesundheit. Viele Menschen denken, Baumwollkleidung sei gesünder als andere. Das ist aber nicht ganz richtig. Denn für die Produktion eines T-Shirts werden etwa 2000 Liter Wasser benötigt. So sind schon riesige Flüsse und Seen ausgetrocknet.

Die Ausstellung hat mich zum Nachdenken über den Umgang mit Menschen und Rohstoffen angeregt. Ich hoffe, dass sich mehr Menschen Gedanken über „Fast Fashion“ machen und sich auch der Folgen bewusst werden. Insgesamt war es ein beeindruckender Ausflug mit jeder Menge Informationen, die einen sprachlos machen.

Leonie aus der Recyclinggruppe überlegt:

In den Gruppen sollten wir Fragen mit Hilfe der Bilderläuterungen beantworten. Außerdem sollten wir uns noch ein Wort ausdenken, das zeigt, wie wir das alles finden. Der Begriff der Gruppe Recycling ist „beängstigend“. Wir haben das Wort gewählt, weil wir es einfach grausam finden, was hinter den Kulissen alles passiert. Die bei uns gesammelten Altkleider werden nur zu lächerlichen 20% für wohltätige Zwecke verwendet. Der überwiegende Anteil, nämlich 60%, wird gewinnbringend verkauft. Und zwar an diejenigen, die wirklich wenig haben. Einige entsorgen also unseren Textilabfall und verdienen auch noch daran. Die Kunden sind nicht nur arm, sondern überwiegend auch noch ungebildet. Diese Menschen können oft kein Englisch und verstehen aufgedruckte Sprüche gar nicht. Muss ein dunkelhäutiges Mädchen ein T-Shirt mit dem Aufdruck: „Kiss me, I'm a blondie!“ tragen? Das ist obendrein auch noch frauenfeindlich.

Also denke ich, sollte jeder beim Kauf einer Textilie überlegen, was damit passiert, wenn sie bei uns ausgemustert wird.

Meryem Sophie hat noch ein paar Tipps zum besserem Kleidungskauf:

1. Secondhandkleidung ist schon von jeglicher Chemie befreit, da sie vom vorherigen Träger schon oft gewaschen wurde.

2. Die Marke Greenjeans stellt schonendere Jeans her, ganz ohne Sandstrahlen.  Die Jeans haben zwar keine Bleicheffekte, sind aber besser für die Arbeiter.

3. Auf manchen Kleidungsstücken ist ein Siegel platziert, das zeigt, dass die Hersteller einen fairen Lohn bekommen, von dem sie leben können.

Natürlich gibt es noch viele weitere Aspekte, worauf man achten kann, doch wenn man diese drei Punkte beachtet, hilft man selbst schon ein bisschen mit.

D. Epe, Meryem Sopie, Jaida, Leonie, Paula und Mattes

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