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(ksta) Mensa an Pulheimer Gymnasium verzichtet auf Plastikgeschirr

programm schule der zukunft 150319Pulheim-Brauweiler - Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Strohhalme tatsächlich noch aus Stroh waren? Damals in den 50er- und 60er-Jahren war Plastik teuer und nicht sonderlich beliebt. Heute ist das anders.

Laut Bundeslandwirtschaftsministerium verbraucht jeder von uns im Jahr mehr als 100 Kilogramm Plastik. Darunter unglaublich viele Strohhalme, die heute Trinkhalme heißen. Plastik vergeht nicht und wird immer mehr zum globalen Problem.

„Das musste sich schleunigst ändern, jedenfalls bei uns“, sagt Iris Thimm vom Mensa-Betreiber, der Bäckerei Voosen, mit Nachdruck. „Stellen Sie sich vor, wir verkaufen hier im Sommer 500 bis 600 Trinkpäckchen am Tag, und viele davon fliegen hinterher mit den Trinkhalmen auf dem Schulhof herum.“

Die Schule macht beim Projekt „Plastikfreie Mensa“ mit

Iris Thimm holte kurzerhand die Schulleitung des Abtei-Gymnasiums an Bord. Die Schule war schließlich im November 2015 offiziell als „Schule der Zukunft – Bildung für Nachhaltigkeit“ zertifiziert worden und machte sofort mit bei dem Projekt „Plastikfreie Mensa“.

Auch für Schulleiter Martin Sina und Björn Schray, Lehrer und Koordinator des Programms, gibt es seit Beginn des Schuljahres 2018/2019 nur noch frisch angerührten Joghurt im Glas und Porzellangeschirr. Der Wegwerf-Kaffee-Becher für zwischendurch ist gestrichen, ebenso Plastikgeschirr und -besteck sowie Trinkpäckchen.

Pfand soll Vermüllung stoppen

bambusbesteck 150319„Anfangs haben einige Oberstufenschüler versucht, auf der anderen Straßenseite einen Handel mit Trinkpäckchen zu betreiben, als Finanzspritze für ihren Abiball“, erinnert sich Björn Schray lachend. „Das war aber nur eine kurze Episode. Dann haben auch sie begriffen, dass es letztlich um die Umwelt und ihre Zukunft geht.“ Letztendlich geht es hier im Schulzentrum Brauweiler mit rund 1800 Schülern in Abtei-Gymnasium, Gesamtschule und Realschule um Nachhaltigkeit.

„Unser Besteck ist jetzt nicht mehr aus Plastik, sondern aus Bambus und Holz“, erklärt Iris Thimm. „Die Salate werden auch nicht mehr mit Frischhaltefolie abgedeckt, sondern mit wiederverwendbaren Hauben.“ Auf alles andere gibt es Pfand, damit es nicht auf dem Schulhof, sondern in der Spülmaschine der Mensa landet. „Ein Euro Pfand pro Kaffeebecher, da lohnt sich schon das Zurückbringen“, findet Björn Schray. „Für eine zurückgebrachte Papiertüte gibt es immerhin 20 Cent.“ Mittlerweile gehen auch die Schüler den Weg hin zur plastikfreien Mensa mit. „Ja, das ist besser für die Umwelt“, bestätigt die 15-jährige Joana. „Ich versuche immer, Müll zu vermeiden.“

Schritt für Schritt in eine nachhaltige Zukunft

porzellanteller in der mensa 150319Mensa-Betreiber und Schulleitung sehen sich Schritt für Schritt auf einem guten Weg, der allerdings noch nicht zu Ende ist. Noch gibt es einige Plastik-Pfandflaschen im Sortiment, aber nicht mehr lange. An der Lösung des Problems wird getüftelt, genauso wie an weiteren Projekten zum Thema Umwelt. „Wir haben eine Bienen-AG und eine Eine-Welt-Gruppe am Abtei-Gymnasium“, erklärt Björn Schray.

„Auch das Wahlpflichtfach Erdkunde-Politik-Geschichte beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit und der Zukunft unseres Planeten.“ Schulleiter Martin Sina ergänzt: „Wir wollen in Zukunft auch energetisch besser werden.

In den Klassenräumen sind schon jetzt im Januar manchmal über 30 Grad. Das können wir nicht ändern, denn die Temperaturfühler sind defekt. Da müsste die Stadt Pulheim aktiv werden und unseren Weg in Richtung Nachhaltigkeit unterstützen.“ Die Europäische Union hat ein Verbot von Wegwerfprodukten aus Plastik wie Plastikgeschirr, Wattestäbchen und Plastik-Trinkhalmen beschlossen. 2021 soll es europaweit in Kraft treten. In der Mensa im Schulzentrum Brauweiler verzichtet man freiwillig und früher.

Von Elke Petrasch-Brucher

Tags: Agenda21

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